Christian Dürr

Weltbeste Bildung statt „Weiter so“ im Mittelfeld

Im Dezember ist eine neue Pisa-Studie erschienen. Deutsche Schüler schneiden schlechter ab als zuvor. Statt Champions League heißt es beim Thema Bildung leider Abstiegskampf. Das müssen wir ändern.

Anfang Dezember ist nach drei Jahren erneut eine Pisa-Studie erschienen. Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Deutsche Schüler bewegen sich seit Jahren im Mittelfeld und in der neuesten Studie schneiden sie sogar noch schlechter ab als zuvor. Bei der Lese- und Mathekompetenz reicht es lediglich für den 15. Platz, in den naturwissenschaftlichen Fächern nur für Platz 11. Weltbeste Bildung für jedes Kind – dieser Anspruch gilt in vielen Ländern, nur leider nicht bei uns. Knapp zwanzig Jahre ist es her, dass wir von der „Pisa-Klatsche“ getroffen wurden und entgegen unserer Erwartungen klar wurde, dass wir von den internationalen Spitzenreitern in Sachen Bildung weit entfernt waren. Geändert hat sich seitdem leider kaum etwas. Jahr für Jahr wurde gefordert, echte Vergleichbarkeit bei der Bildung zu schaffen und dennoch haben wir nach wie vor 16 unterschiedliche Schulsysteme, deren Qualität zu wünschen übrig lässt.

Das zeigt sich übrigens auch bei uns in Niedersachsen: In den letzten Jahren sind die Leistungen in den Schulen bergab gegangen, besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern. Ein niedersächsischer Schulabschluss bekommt weniger Anerkennung als ein Abschluss in Baden-Württemberg - das ist unfair und frustriert Schüler genauso wie Lehrer. Dabei hatte es eine CDU-/FDP-geführte Landesregierung geschafft, die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren. Unter den SPD-geführten Nachfolgeregierungen ist die Zahl wieder nach oben gegangen. Bildungsgerechtigkeit geht anders.

Was wäre nun der nächste Schritt, der getan werden müsste, damit Deutschland eines Tages zu den internationalen Bildungsvorreitern gehört? Diese Frage lässt sich mit vier wesentlichen Punkten beantworten.

Als erstes sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass wir längst nicht mehr im Wettbewerb mit Bayern oder Bremen stehen, sondern mit China und den USA. Dafür wäre es wichtig, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der es ermöglicht, dass Bildung als nationale Aufgabe auch entsprechend finanziert werden kann. Im Zuge dessen sollten einheitliche Abschlussprüfungen eingeführt werden, die bundesweit vergleichbar sind.

 

Zweitens: Es sollte stärker in die MINT-Fächer investiert werden, in denen deutsche Schüler in der Vergangenheit schlechter abgeschnitten haben. Eine Idee wäre, sogenannte MINT-Labore in den Schulen einzuführen, damit schwierige Inhalte leichter und anschaulicher vermittelt werden können.

Außerdem muss der Unterricht digitaler gestaltet werden: In Estland lernen die Schüler demnächst mit digitalen, individualisierten Lehrbüchern und in Südkorea gibt es seit zwanzig Jahren an allen Schulen Internet. Währenddessen wird bei uns noch mit Kreide geschrieben.

Letztlich ist aber besonders ein Faktor entscheidend, wenn es darum geht, Kindern zu besserer Bildung zu verhelfen: motivierte und exzellent ausgebildete Lehrer. Deswegen ist es zentral, dass wir dafür sorgen, den Lehrerberuf attraktiver zu machen – zum Beispiel in Form von besseren Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten. Denn nur gute Lehrer werden in der Lage sein, unseren Kindern zu bestmöglichen Leistungen zu verhelfen.

Es ist zwei Jahrzehnte her, dass Deutschland vom PISA-Schock überrascht wurde und wir feststellen mussten, dass wir von internationalen Bildungsvorreitern wie Kanada längst abgehängt wurden. Aber das Mittelfeld reicht nicht aus. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung wesentliche Zukunftsprojekte endlich wieder in Angriff nimmt, damit jedem Kind unabhängig von der Herkunft die besten Bildungschancen ermöglicht werden.